Der Nullmeridian und ein Kraftwerk, das Wasser mit Wind pumpt
El Hierro hat zwei Titel, die nach Prospekt klingen und wahr sind: Sie war jahrhundertelang der Nullmeridian der Welt, und heute ist sie eine Insel, die mit erneuerbarer Energie laufen will. Beides folgt aus demselben: der westlichste Punkt zu sein und klein und bergig.

Der Nullmeridian, und warum hier
Bevor Greenwich festgelegt wurde, lag der Bezugsmeridian am westlichsten Punkt der bekannten Welt. Und dieser Punkt war für die europäische Geografie jener Zeit die Westspitze El Hierros: die Punta de Orchilla.
Das ist keine lokale Anekdote, sondern Folge der Lage: El Hierro war buchstäblich das Ende der Karte. Was weiter westlich lag, wusste man nicht.
Das Kraftwerk, das Wasser mit Wind pumpt
Das Projekt, dem die Insel ihren anderen Ruf verdankt, und der Mechanismus ist interessanter als die Schlagzeile. Das Problem der Windkraft: Der Wind weht nicht auf Bestellung, und Strom lässt sich schlecht speichern.
Die Lösung hier ist Wind-Wasser: Bei Wind und Stromüberschuss wird Wasser in ein hochgelegenes Becken in einem Vulkankegel gepumpt. Lässt der Wind nach, wird das Wasser abgelassen und treibt Turbinen. Das Becken ist die Batterie, und das Wasser ist die Art, Wind zu speichern.
Es funktioniert, weil die Insel zwei Dinge hat: ständigen Wind und Höhenunterschied, um ein Becken weit über das andere zu legen. Ohne Berg kein System.
Was man besuchen kann und was nicht
Das Kraftwerk ist eine Industrieanlage, ihr Inneres keine frei zugängliche Attraktion. Sichtbar ist das Ensemble in der Landschaft, und es gibt Besucherzentren auf der Insel, die das System erklären.
Und der Meridian: Die Punta de Orchilla mit ihrem Leuchtturm an der Südwestspitze kann besucht werden. Ein exponierter Ort mit Piste auf dem letzten Stück, und sein Reiz ist genau das: an dem Punkt zu stehen, der jahrhundertelang der Rand der Welt war.
Warum beide Geschichten dieselbe sind
El Hierro ist klein, jung, bergig und liegt am Rand. Das ließ sie jahrhundertelang außerhalb der Karte — und genau das erlaubt ihr heute, ein Labor zu sein: eine Insel mit Höhenunterschied, Wind und einem Stromnetz, das klein genug ist, um es ganz neu zu bauen.
Häufige Fragen
›Warum war El Hierro der Nullmeridian?
Weil vor der Festlegung Greenwichs der Bezugsmeridian am westlichsten Punkt der bekannten Welt lag, und für die europäische Geografie jener Zeit war das die Punta de Orchilla an der Südwestspitze El Hierros.
›Wie speichert El Hierro Windenergie?
Mit einem Wind-Wasser-System: Bei Stromüberschuss wird Wasser in ein hochgelegenes Becken in einem Vulkankegel gepumpt; lässt der Wind nach, wird es abgelassen und treibt Turbinen. Das Becken ist die Batterie, möglich durch den Höhenunterschied.
›Kann man das Kraftwerk besuchen?
Es ist eine Industrieanlage, das Innere ist nicht frei zugänglich. Man sieht es in der Landschaft, und Besucherzentren auf der Insel erklären das System. Die Punta de Orchilla mit ihrem Leuchtturm kann besucht werden.