Die gebogenen Sadebäume — und was sie über den Wind sagen
El Sabinar auf El Hierro ist eines der bekanntesten Bilder der Kanaren: verdrehte Bäume, fast parallel zum Boden liegend, mit in sich gedrehten Stämmen. Sie sind nicht krank, und es ist ihnen nichts passiert. Das ist die Form, die ein Baum annimmt, der jahrhundertelang gegen den Wind wächst.

Was ein Sadebaum ist und was der Wind mit ihm macht
Der kanarische Sadebaum ist zäh und verträgt arme Böden und Trockenheit. In diesem Inselteil — einer hohen, nach Westen offenen Hochfläche — wächst er, während der Passat ihn ständig und aus derselben Richtung trifft.
Das Ergebnis: Der Wind wirft ihn nicht plötzlich um, sondern der Baum wächst über Jahrzehnte asymmetrisch. Windzugewandte Triebe trocknen aus, windabgewandte gedeihen, also wandert die Krone dorthin, wo der Wind sie wachsen lässt, und der Stamm dreht sich nach.
Das heißt: Die Form jedes Baumes ist ein Protokoll der vorherrschenden Windrichtung. Ein lebendes Anemometer, und länger dort als jede Messung.
Warum das interessant ist und nicht nur schön
Weil es auf einen Schlag erklärt, wie die ganze Vegetation der Insel funktioniert. Derselbe Wind, der die Sadebäume biegt, ist der, der:
- Den Nebel schiebt, der den Lorbeerwald der Nordflanke nährt.
- Den Süden im Schutz lässt und das Mar de las Calmas erzeugt.
- Den Anbau zu Schutzmaßnahmen zwingt, mit Mauern und Trichtern wie auf Lanzarote.
Eine Insel versteht man besser über ihren Wind als über ihre Karte, und in El Sabinar sieht man das, ohne dass es jemand erklären muss.
Das Praktische
- Ein exponierter Ort. Es ist windig, und deshalb sehen die Bäume so aus: Windschutz.
- Die Straße ist bergig mit engen Abschnitten.
- Man kommt zum Schauen, nicht zum Anfassen. Langlebige, geschützte Exemplare: nicht besteigen, keine Zweige abschneiden.
- Das Nachmittagslicht macht das Foto, weil es die Silhouette gegen den Himmel zeichnet.
Und etwas, das fast niemand bemerkt
Wenn Sie auf die Ausrichtung aller Bäume achten, zeigen sie in dieselbe Richtung. Keine Laune des Geländes: Alle wurden von demselben Wind geformt — und das lässt das Ganze absichtsvoll erscheinen.
Häufige Fragen
›Warum sind die Bäume in El Sabinar gebogen?
Weil sie über Jahrzehnte gegen einen ständigen Wind aus derselben Richtung wachsen. Windzugewandte Triebe trocknen, windabgewandte gedeihen, also wandert die Krone dorthin, wo der Wind sie lässt, und der Stamm dreht sich nach.
›Sind sie krank oder beschädigt?
Nein. Es ist die normale Form eines Baumes, der ständigem gerichteten Wind ausgesetzt ist. Ihre Form ist sogar ein Protokoll der vorherrschenden Windrichtung: ein lebendes Anemometer.
›Darf man die Sadebäume anfassen oder besteigen?
Nein. Langlebige, geschützte Exemplare: Man kommt zum Schauen und Fotografieren, besteigt sie nicht und schneidet keine Zweige. Das beste Licht ist nachmittags, wenn die Silhouette gegen den Himmel steht.